Bolten: Israel wird den Iran nach den US-Präsidentschaftswahlen angreifen
Juni 24, 2008
Der ehemalige UN-Botschafter der USA, John Bolten, sagte in einem Interview mit dem Telegraph voraus, dass Israel den Iran nach den US-Präsidentschaftswahlen, aber noch vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten, angreifen wird.
“They’re (die Israelis) also obviously looking at the American election calendar. My judgement is they would not want to do anything before our election because there’s no telling what impact it could have on the election.”
Aber noch länger zu warten könne sich eventuell ebenso unvorteilhaft auswirken, da nicht klar sei, wie sich der neue Präsident im Konflikt mit dem Iran verhalten werde.
Bolten, der den republikanischen Kandidaten McCain unterstützt, unterließ es in dem Interview auch nicht, darauf aufmerksam zu machen, dass seiner Meinung nach McCain die bessere Außenpolitik machen werde. McCains Linie ist im Moment, dass ein Angriff immer noch besser sei, als ein Iran mit Atomwaffen.
Der Artikel endet mit Boltens Feststellung:
“That (die Zerstörung der iranischen Atomanlagen) doesn’t end the problem but it buys time during which a more permanent solution might be found…. How long? That would be hard to say. Depends on the extent of the destruction.”
Kommentar:
Der Aussage, dass ein Angriff auf den Iran das Problem nicht löst, kann ich uneingeschränkt zustimmen. Und gerade weil dieser Fall sehr wahrscheinlich ist, sollte man alles an eine diplomatische Lösung setzen und nicht, wie es Bolten für gutheißt, einen Angriff starten, nur um Zeit zu gewinnen. Was ist dabei gewonnen, wenn man ein paar Jahre nach einem Angriff -womöglich mit zivilen Opfern- wieder am gleichen Punkt angekommen ist wie jetzt? Der Iran würde es sich mit Sicherheit nicht einfach gefallen lassen, dass man seine Atomanlagen zerstört. Egal wie massiv er dann darauf reagiert: Die gesamte Region wird für eine militärische Intervention einen sehr hohen Preis bezahlen müssen. Ob ein Gewinn an Zeit dieses Risiko wert ist, wage ich zu bezweifeln.
Wir brauchen in diesem Konflikt also eine andere Lösung, eine diplomatische Lösung. Und das es so scheint, als würden einige Israelis und Amerikaner mehr mit Angriffsplänen, als mit diplomatischen Initiativen sich beschäftigen, verheißt nichts gutes.
Nachtrag 26.6.08:
Kristin Roberts von Reuters schreibt, dass “a U.S. military strike on Iran’s nuclear facilities could set Tehran’s program back years but would raise the risk of retaliation against American troops in the region and of driving Iran to work even harder to make atomic weapons, U.S. experts and officials say.” Dies widerspricht noch einmal der Darstellung Boltens, dass es eine gute Idee wäre, die iranischen Atomanlagen zu zerstören, um damit Zeit zu gewinnen. Außerdem bin ich der Meinung, dass dies meine Ansicht stützt, dass es eine dauerhafte Lösung des Konfliktes nur mit diplomatischen Mitteln geben kann.
Entry Filed under: Israel, Kriegsvorbereitungen, USA, Verlautbarungen/Äußerungen/Kommentare. Schlagworte: Angriff, Atomprogramm, Atomwaffen, Außenpolitik, Bolten, Iran, Krieg, McCain, Politik, USA.
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1. Entspannung zwischen USA &hellip | Juni 26, 2008 at 3:16
[...] eventuell auch die verbalen Äußerungen verschiedener amerikanischer und israelischer Politiker (Bolten, Olmert, Mofaz), die in den letzten Tagen recht unverhohlen mit einem Angriff auf den Iran [...]
2. Gerücht: Angriff auf den&hellip | August 20, 2008 at 6:34
[...] Immer wieder gibt es Meldungen, dass die Bush-Administration den Iran vor einem Präsidentenwechsel angreifen könnte. Diese Meldungen wurden in der Vergangenheit aber häufig von Experten für unrealistisch erklärt. Allerdings erklärte vor einigen Wochen auch der ehemalige amerikanische UN-Botschafter Bolten, dass ein Angriff nach den Präsidentschaftswahlen, aber noch vor der Amtseinführung von McCain/Obama möglich sei. Siehe dazu Artikel vom 24.6.2008. [...]